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Ein Museum erinnert an Jesse Owens‘ Olympiasiege 1936: Der Mann, der Hitler den Rang ablief

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Im Jesse Owens Museum, Danville, Alabama Im Jesse Owens Museum, Danville, Alabama Alabama Tourism

Gleich vier olympische Goldmedaillen gewann Jesse Owens vor 90 Jahren in Berlin. Ein Afroamerikaner widerlegte damit die angebliche Überlegenheit des nordischen Menschen und lief im Adolf Hitler im Stadion buchstäblich den Rang ab.

Ein Museum in Alabama erinnert an den Jahrhundert-Leichtathleten aus dem Staat und begeht das Jubiläum.  

 Am 1. August begannen die Olympischen Sommerspiele von 1936. Der „Führer“ und der Kult um seine Person standen zunächst wie erwartet im Vordergrund. Am 3. August aber gewann Jesse Owens Gold in den zweitägigen Wettkämpfen des 100-Meter-Sprints, tags darauf im Weitsprung, am 5. August den 200-Meter-Lauf und am 9. August schließlich im Staffellauf über viermal 100 Meter.

Als der wirkliche Star der Spiele, vom vorwiegend deutschen Publikum begeistert für vier Goldmedaillen gefeiert, erwies sich ein Afroamerikaner aus Alabama – und widerlegte damit die angebliche Überlegenheit der nordischen „Rasse“. Adolf Hitler verweigerte ihm den Handschlag und rüffelte seinen Reichsjugendführer Baldur von Schierach, als dieser Owens die Hand reichen wollte.

Die Skulptur von Branko Medenica im Jesse Owens Memorial ParkDie Skulptur von Branko Medenica im Jesse Owens Memorial Park

Das Jesse Owens Museum in der Gemeinde Oakville bei Danville entstand 1996 anlässlich der Spiele im nahen Atlanta zum 60 Jahrestag des Vierfach-Triumphes. J. C. Owens kam am 12. September 1913 als das jüngste von zehn Kindern einer bettelarmen Farm-Pächterfamilie in Oakville zur Welt, musste dort in Nordalabama Baumwolle pflücken und litt unter der damaligen, sogenannten Rassentrennung in den Südstaaten. Aber er hatte eine Leidenschaft: Nur selten ging er über die staubigen Wege – er rannte.

Das Museum, es steht frei in der Landschaft, zeigt alle Lebensphasen des Jahrhundertathleten. Auf dem Gelände findet sich auch eine kärgliche Holzhütte der Art, wie sie die Owens bewohnten. Eine Weitsprunganlage, eine Replika der Olympiafackel von 1936 und eine Skulptur des Athleten von Branko Medenica vervollständigen den Jesse Owens Memorial Park.

Im Jesse Owens Memorial Park, Danville, AlabamaIm Jesse Owens Memorial Park, Danville, Alabama

Im Jahr 1922, Owens war neun Jahre alt, zog seine Familie nach Ohio um – auf Arbeitssuche in die von der Rassentrennung freien Nordstaaten. Dort wurde aus dem Kürzel J. C. von James Cleveland das „Jesse“. Der weiße Highschool-Sportlehrer Larry Riley entdeckte sein Talent und trainierte ihn. Er war, wie Owens später sagte, „völlig farbenblind“. Später durfte „Jesse“ mit einem Sportstipendium an der Ohio State University studieren, wo ihn der ebenfalls weiße Coach Larry Snyder bis zu den Olympiasiegen förderte.

Das Museum hat viele Ausstellungsstücke zusammengetragen, darunter auch eine Nachfertigung jener deutschen Laufschuhe, die Owens zu seinen Olympiasiegen getragen haben. Der spätere Adidas-Firmengründer Adolf "Adi" Dassler war mit einem Koffer voller Schuhe zum Olympiadorf in Berlin gekommen, um sie zu verkaufen – sehr zur Freude Jesse Owens‘, dem bei der Schiffspassage zwei von drei Paaren Laufschuhe gestohlen worden waren.

Und es zeigt zahlreiche Fotos – nicht nur von der Olympiade 1936, sondern etwa auch von seinem Besuch zurück in Berlin 1964, wo ihn der Regierende Bürgermeister Willy Brandt empfing.

Im Jesse Owens Museum: Jesse Owens mit Carl Ludwig Hermann „Luz“ LongIm Jesse Owens Museum: Jesse Owens mit Carl Ludwig Hermann „Luz“ Long

Viel Platz gibt die Ausstellung Ownes Freundschaft mit dem deutschen Spitzenathleten Carl Ludwig Hermann „Luz“ Long. Als Owens bei den ersten Anläufen im Weitsprung patzte und ihn Selbstzweifel beutelten, baute der Jurastudent aus Leipzig ihn mit guten Ratschlägen wieder auf und nahm es sehr sportlich, als Owens ihn in der Folge prompt besiegte. So entstand eine enge Brieffreundschaft, die erst 1943 endete, als Long bei der alliierten Invasion Sizilien als deutscher Wehrpflichtiger ums Leben kam.

Wegen des Krieges fielen die Olympischen Spiele zweimal aus. Jesse Owens wurde nach den Siegen von Berlin Geschäftsmann, förderte selbst viele benachteiligte Jugendliche und starb 1980 im Alter von 66 Jahren an Lungenkrebs.

Der Jesse Owens Memorial Park begeht das 90jährige Jubiläum von Berlin am 29. August mit dem Durchschneiden eines Bands um 10 Uhr für neue Ausstellungsstücke sowie einem Nachmittag für Kinder und Jugendliche mit Wettbewerben aus Disziplinen, in denen Owens 1936 gewonnen hat. Gold-, Silber- und Bronzemedaillen werden dann an die siegreichen Nachwuchsathleten aus der Region verliehen. Auch auswärtige Museumsbesucher sind bei den Festlichkeiten willkommen.

Der gemeinnützige Jesse Owens Park ist täglich außer sonntags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 8 Dollar für Erwachsene und 3 Dollar von 6 bis 18 Jahren. Das Alabama All-In-One Ticket, das viele Eintritte günstig kombiniert, gilt auch hier.

Weitere Information über Alabama gibt es bei Alabama Tourism, Tel. (030) 7262-5191 oder auch online auf www.alabama-usa.de.Museums-Website: www.jesseowensmuseum.org.Viele Infos und Tipps rund um Alabama findet man natürlich auch in unserem Forum.

 

Gelesen 13 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 30 Juli 2026 00:12
Veröffentlicht in Aktuelles, Alabama